Cosa. aller guten dinge sind fünf

ROLAND KÖHLER - CLAUS LINDNER - CORNELIA LORENZ - SIEGFRIED REHFELD - WIEBKE STEINMETZ

vom 03. März 2006 bis 30. April 2006

 

Die Frühlingsausstellung in der Kunsthalle Wittenhagen bietet fünf Künstlern Raum, ihre Werke in fünf Techniken zu präsentieren. Die Arbeiten werden in unterschiedlicher Fülle gezeigt, die Auswahl ist sehr persönlich getroffen worden. Hier können Kollegen und Gewerke aufeinander treffen, ohne sich gegenseitig in den Schatten zu stellen. Die Werke können miteinander korrespondieren, durch ihre Unterschiedlichkeit eine Spannung aufbauen, durch ihre Vielfalt zur Bereicherung beitragen, durch Ähnlichkeiten Nähe erzeugen. Gleiches und Gegensätzliches in einem großen Raum zusammenkommen zu lassen hat sich längst bewährt. Für die Künstler selbst ist es spannend zu erleben, wie sie aufeinander wirken, miteinander umgehen. Es gehört zum künstlerischen Konzept dieser Ausstellung, den Aufbau als kreativen Prozess zu begreifen und zu gestalten und per Video einzufangen.

Siegfried Rehfeld macht mit seinen Landschaftsgemälden einen sehr großen Teil der Ausstellung aus. Er wird dieses Jahr achtzig und hat folglich nicht mehr so viel Zeit und Gelegenheit einen breiten Ausschnitt seines Lebenswerkes zu zeigen wie jüngere Kollegen. Rehfelds Arbeit ist durch einen hohen Anspruch an sich selbst gekennzeichnet, durch Bescheidenheit und große Ehrlichkeit. Er arbeitet mit Ausdauer und Ruhe. Motive gibt es für ihn genug. Die Natur ist seine große Lehrmeisterin, für sie empfindet er Liebe, ihr bringt er Respekt entgegen. In seinen Bildern teilt sich dem Betrachter eine besondere Art der Freude am Leben mit. Seit mehreren Jahrzehnten lässt er sich auf Begegnungen mit der Natur ein und hat sein eigenes tief empfundenes Verhältnis zu ihr. (...)

 
Roland Köhler stellt Landschaftsfotografie vor. Angefangen
hat er in Berlin. Damals arbeitete er häufig als Fotojournalist für die taz, begleitete Reportagen, machte Band-Fotos auf Konzerten, porträtierte Freunde und Bekannte. Locker aus dem Ärmel geschüttelte Schnappschüsse sind nichts für Köhler, er braucht Zeit sein Stativ aufzubauen, den richtigen Blickwinkel zu finden und auf das richtige Licht zu warten. (...)

 

Cornelia Lorenz verarbeitet die Eindrücke ihrer Umgebung zeichnerisch und plastisch. Sie hat das Gefühl, erst langsam zu begreifen, was gute Plastik und Bildhauerei ausmachen. Zwischen Wollen und Können empfindet sie eine Kluft, die zu verringern ihr gleichzeitig Reiz und Qual ist. Dabei ist ihr das Ziel meistens klarer als der Weg. Sie sieht sich als Lernende. Die Suche ist in ihren Arbeiten erkennbar und macht das Persönliche, Lebendige der Objekte sichtbar. (...)

 

Zum Werkzeug von Wiebke Steinmetz gehört die Kettensäge, genauso wie das allerfeinste Schnitzmesser. Ihre kleinsten Holzköpfe sind gerade mal einen Zentimeter groß. Die Erfahrungen mit dem Material bringt sie aus dem Puppentheater mit. In der Ausstellung stehen ihre Balkenfiguren. Aus dem Holz wächst eine Figur, die durch ihre Schwere am Fliegen gehindert wird. Das Aufstrebende, Sich-Lösen-Wollende wird zurückgehalten. Die Figur wächst organisch aus dem Balkenholz, hebt und dreht sich heraus. Der Balken ist im Wesentlichen unbearbeitet oder grob behauen und gesägt belassen. Die fein geschnitzten Hände und Köpfe stehen dazu in starkem Kontrast. Steinmetz setzt sich durch diese Addition über klassische Bildhauerei hinweg. Der stilistische Bruch ist ihr ein Mittel der Aussage. (...) Claus Lindner allerdings hält sich an die Gesetze der klassischen Bildhauerei, orientiert sich an archaischen Vorbildern. Er legt Wert auf präzise Oberflächengestaltung, womit nicht Glätte gemeint ist. Er lässt sich inspirieren von den leicht zerstörten Oberflächen antiker Bronzen. Aufgebrochenes wird im Arbeitsprozess belassen. Seine Figuren zeugen von inneren Kämpfen und äußeren Kanten. Lindner macht hauptsächlich Einzelfiguren und das hat seinen Grund. "Jeder ist mit sich allein", sagt er," fremd dem Anderen gegenüber. Beziehungen sind nicht von Dauer, Berührungen nur temporär und punktuell. Glücklichsein bedeutet Mit-sich-eins-zusein, Mit-sich-auszukommen, mit seinen eigenen Widersprüchen gut zu leben." (...)

 

Paula Holunder, Neugarten, Januar 2006