Realissima XI


„Kunst ist nicht zeitgemäß, sondern ewig.“ 

(Egon Schiele, österr. Maler/ Expressionismus)

Vom 28. Juni bis zum 25. Oktober präsentiert die Kunsthalle Wittenhagen ihre Sommerausstellung REALISSIMA XI. Auf ca. 500 qm Ausstellungsfläche werden sowohl schwarzweiße als auch farbige Holzschnitte, Malerei in Öl und Acryl, feine Radierungen und Plastiken in Bronze und Holz gezeigt. Die 87 Arbeiten stammen aus den Ateliers der Künstlerin Sibylle Leifer und der Künstler Hartmut Hornung, Hellmut Martensen, Henning Spitzer und Torsten Schlüter.

Ausgewogen ist die Sommerschau sowohl in den Techniken als auch im Sujet. Exotische Landschaften, Stillleben, Porträts, komplette Geschichten oder die Andeutung eines roten Fadens, Kunstwesen, Gegenständliches, Figürliches – die Palette ist groß und bunt. Jede Arbeit beansprucht viel Platz, jede ist für sich genommen ein Star. Die Kunst der Kuratorin Mara Maroske liegt darin, eine Harmonie für den Betrachter herzustellen, das Rauschhafte des Einzelstücks zu bändigen und die Verschiedenheit der künstlerischen Emotionen in einen harmonischen Wellenschlag zu bringen. Mit Sachkenntnis vermittelt sie zwischen den Werken und den Künstlern mittels einer sparsamen Hängung. Sie lässt dem Objekt Luft und Raum sich zu entfalten, verschiebt das Schwere an die Endpunkte der Kunsthalle und wählt für das Zentrum Leichtigkeit. Mittendrin, wie zufällig im Weg, die edlen Plastiken, ein jede mit Bewusstheit an ihren eigens für sie bestimmten Platz verwiesen. Ein Gesamtkunstwerk ist die Sommerausstellung, eine Hommage an die Tradition der Kunsthalle, deren Anspruch ungebrochen darin besteht, hochqualitative bildende Kunst aus Mecklenburg-Vorpommern zu zeigen und zu fördern.



 

Henning Spitzer. Seine Ölbilder leben von der Schnelligkeit des Pinselstrichs. Ein heftig bewegtes Tupfen und Wischen, mit Wucht hervorgebracht, ohne den konturzeichnenden Moment des Innehaltens. Selbst die Schatten seiner Porträts sind Schattierungen in violett, rot, grün und blau. Blumenstillleben schimmern und schwingen. Seine schwangere Frau Anja sein liebstes Sujet, und Tanzende. Das Motiv der Tanzenden zeigt seine private Seite: Er selbst hat den Tanz als Ausgleich entdeckt, und dort auch seine Frau, mit der er mittlerweile vier Kinder hat.

Sibylle Leifer. Ihre Arbeiten: Holzschnitte coloriert oder schwarzweiß. Ihr Thema: die Frau! Im Focus: das Weibliche - bewegliche Figuren, raumgreifende Bewegungen, verspielte, üppige Formen, Frauen, in ihrer Kraft stehend, göttlich und sich selbst genügend, mit schäumender Lebensfreude und dem Wissen aller Zeit.

Torsten Schlüter. Der Künstler arbeitet vielfarbig und mit reichlich Farbauftrag. Dick beriebene Leinwände zeigen exotische Tiere und Landschaften. Von den Indienreisen brachte er stapelweise Skizzenbücher nach Hause. Elemente und Studien, Erlebtes und Erinnerungen geben die Farbigkeit Indiens wider. In seiner emotionalen Ergriffenheit wird der Künstler immer abstrakter. Die Verknappung schadet dem Epos nicht. Schlüters homogener Pinselschwung erzählt großartige Geschichten.

Hellmut Martensen. Die Sammlung seiner Bilder ist das ruhigste Element der Ausstellung. Drei stimmige Reihen entsprechen dem Charakterzug des Künstlers: Ausgeglichenheit. Radierungen mit Pflanzenmotiven, Radierungen mit Gebirgslandschaften mit Aquarell übermalt und die Metamorphosen-Serien erzeugen in der Kojen-Gestaltung beinahe Kabinettcharakter. Pflanzen, genauestens studiert und in voller Schönheit ausgebreitet, der zarte Strich farblich überarbeitet mit einem mystischen Glühen aus der Tiefe – Entdeckungen auf leisen Sohlen, die tiefe Eindrücke hinterlassen.

Hartmut Hornung. Holzarbeiten sind selten in der Kunsthalle zu sehen. Bei Hornung reizt die eigenwillige Bearbeitung: Er behaut das Grobe und bearbeitet Späne und Grate mit Feuer. Zuweilen entsteht für den Künstler selbst Überraschendes. Auch die Bronzen sind abgegossene Holzarbeiten. Einerseits zeigen sie voluminöse Figuren, hier arbeitet er mit Masse. Bei anderen spielt die Silhouette, reduziert auf die Linie eine große Rolle. In allen Arbeiten, auch in den ausgestellten Zeichnungen, ist eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema „Fliegen“ vorhanden. Seine Flügelwesen gleichen weniger ätherischen Wesen, aber mit den prächtigsten Schwingen ausgestattet, trotzen sie dennoch der Schwerkraft.